Was bedeutet EV Roaming für Betreiber von Ladestationen?
EV Roaming verbindet unterschiedliche Betreiber, Ladenetzwerke und E-Mobilitätsdienstleister miteinander. Für Unternehmen bedeutet das: Die eigenen Ladestationen können auch von Nutzerinnen und Nutzern angebundener externer E-Mobilitätsdienstleister genutzt werden.
Ein Fahrer muss somit nicht zwingend direkt beim Betreiber der jeweiligen Ladestation registriert sein. Er kann sich beispielsweise über eine bereits vorhandene App, Ladekarte oder RFID-Badge authentifizieren.
Der Betreiber bleibt weiterhin für seine Ladeinfrastruktur verantwortlich, erweitert durch Roaming jedoch den potenziellen Nutzerkreis seiner Ladepunkte. Besonders relevant ist das für Unternehmen, die öffentliche oder halböffentliche Ladestationen betreiben und diese möglichst einfach für externe Nutzer zugänglich machen möchten.
Wie funktioniert EV Roaming?
EV Roaming schafft eine Verbindung zwischen der Ladeinfrastruktur eines Betreibers und externen E-Mobilitätsdienstleistern.
Im ersten Schritt werden die Ladestationen über ein Backend betrieben. Bei Sintio können kompatible Ladestationen unterschiedlicher Hersteller über OCPP mit dem zentralen Backend verbunden, verwaltet, überwacht und abgerechnet werden.
Für das Roaming wird eine weitere Verbindung zu den beteiligten Systemen des Roaming-Ökosystems hergestellt. Dadurch können freigegebene Ladepunkte auch Nutzerinnen und Nutzern angebundener externer E-Mobilitätsdienstleister zur Verfügung gestellt werden.
Ein Roaming-Ladevorgang kann vereinfacht folgendermassen aussehen:

Der Nutzer authentifiziert sich beispielsweise mit einem RFID-Badge oder über die App seines E-Mobilitätsdienstleisters. Nach erfolgreicher Autorisierung kann der Ladevorgang gestartet werden. Die relevanten Lade- und Verbrauchsdaten werden anschliessend zwischen den beteiligten Systemen ausgetauscht.
Welche Vorteile bietet EV Roaming für Betreiber?
Der wesentliche Vorteil von EV Roaming liegt für Betreiber darin, die eigene Ladeinfrastruktur einem potenziell grösseren Nutzerkreis zugänglich zu machen.
Öffentlich zugängliche Ladepunkte sind nicht mehr ausschliesslich auf die eigenen registrierten Nutzer oder einen einzelnen Zugangskanal beschränkt. Abhängig von den angebundenen Roaming-Partnern können auch Nutzer externer E-Mobilitätsdienstleister auf die Ladeinfrastruktur zugreifen.
Für Betreiber ergeben sich daraus mehrere Vorteile:
- potenziell grösserer Nutzerkreis für bestehende Ladepunkte
- bessere Zugänglichkeit öffentlicher Ladeinfrastruktur
- attraktiveres Ladeangebot für externe Nutzer, Gäste und Besucher
- weniger Abhängigkeit von einem einzelnen Zugangskanal
- Integration der eigenen Ladepunkte in ein grösseres Ladeökosystem
- Potenzial für eine bessere Auslastung öffentlich zugänglicher Ladestationen
Roaming macht eine bestehende Ladeinfrastruktur damit nicht automatisch stärker ausgelastet, schafft aber die Voraussetzung dafür, dass mehr potenzielle Nutzer Zugang zu den Ladepunkten erhalten.
Für welche Unternehmen ist EV Roaming interessant?
EV Roaming ist insbesondere für Unternehmen interessant, deren Ladestationen öffentlich oder halböffentlich zugänglich sind.
Dazu gehören beispielsweise:
- Energieversorger mit öffentlichen Ladestationen
- Unternehmen mit öffentlich oder halböffentlich zugänglichen Ladepunkten
- Parkhaus- und Parkplatzbetreiber
- Hotels und Gastronomiebetriebe
- Gemeinden und öffentliche Einrichtungen
- Immobilienbetreiber mit öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur
Ein Unternehmen, das seine Ladepunkte ausschliesslich für einen geschlossenen Nutzerkreis – beispielsweise die eigene Fahrzeugflotte – verwendet, benötigt nicht zwingend EV Roaming. Sobald die Ladeinfrastruktur jedoch auch externen Nutzern zur Verfügung stehen soll, kann Roaming einen wichtigen zusätzlichen Zugangskanal schaffen.
Was ist der Unterschied zwischen EV Roaming und Ad-hoc-Laden?
Sowohl Ad-hoc-Laden als auch EV Roaming ermöglichen externen Nutzern den Zugang zu einer öffentlichen Ladestation. Der entscheidende Unterschied liegt in der Art der Authentifizierung und Abrechnung.
Beim Ad-hoc-Laden benötigt der Nutzer weder ein bestehendes Konto bei einem Ladeanbieter noch eine App. Er kann spontan laden und direkt bezahlen.
Mit sintio.public lässt sich ein solcher Ladevorgang beispielsweise über einen QR-Code starten: QR-Code scannen, Zahlungsmethode – z. B. TWINT, Apple Pay, Google Pay oder Kreditkarte – hinterlegen und Ladevorgang starten.
Beim EV Roaming besitzt der Nutzer hingegen bereits einen Vertrag oder Zugang bei einem angebundenen E-Mobilitätsdienstleister. Er authentifiziert sich beispielsweise über dessen App oder mit einem RFID-Badge. Der Ladevorgang wird seinem bestehenden Ladedienst zugeordnet und über diesen abgerechnet.
Für Betreiber bedeutet das: Ad-hoc-Laden und EV Roaming können sich ergänzen. Eine öffentliche Ladeinfrastruktur kann unterschiedliche Zugangswege anbieten und dadurch für verschiedene Nutzergruppen zugänglich gemacht werden.


Neu: EV Roaming mit Sintio
Mit der neuen Roaming-Funktion erweitert Sintio die Möglichkeiten für den Betrieb öffentlicher Ladeinfrastruktur.
Das Sintio-Backend bildet dabei die zentrale Verbindung zur Ladeinfrastruktur. Es verarbeitet unter anderem Ladevorgänge und Verbrauchsdaten und ermöglicht die zentrale Verwaltung der angebundenen Ladepunkte. Bereits heute können über die Sintio-Plattform mehrere Standorte, Nutzer, Ladevorgänge, Verbrauchsdaten und Abrechnungsprozesse zentral zusammengeführt werden.
Durch die neue Roaming-Funktion können geeignete öffentlich zugängliche Ladepunkte zusätzlich für Nutzer angebundener externer E-Mobilitätsdienstleister geöffnet werden.
Für bestehende Sintio-Kunden bedeutet das: Die zentrale Verwaltung der Ladeinfrastruktur bleibt bestehen und wird um einen zusätzlichen Zugangskanal erweitert.
Praxisbeispiel: Von der Sintio-Ladestation ins Roaming-Netzwerk mit EasyPark
Wie EV Roaming in der Praxis aussehen kann, zeigt eine öffentlich zugängliche Ladestation auf dem ewl-Areal in Luzern in der EasyPark-App. Die DC-Schnellladestation befindet sich auf dem ewl-Parkplatz beim Gebäude an der Industriestrasse 6. Die Ladestation wird über Sintio betrieben und ist für EasyPark-Nutzer zugänglich. Damit wird der Ladepunkt nicht nur über die bestehende Ladeinfrastruktur betrieben und verwaltet, sondern zusätzlich über einen externen Mobilitätsdienst, wie EasyPark, für dessen Nutzer zugänglich gemacht.


Wie funktioniert die Abrechnung beim EV Roaming?
Beim EV Roaming muss der Betreiber nicht jeden externen Nutzer selbst als eigenen Kunden verwalten.
Der Nutzer lädt an der Ladestation eines Betreibers, obwohl sein Vertrag beziehungsweise Ladezugang bei einem anderen E-Mobilitätsdienstleister (eMSP) besteht. Über die Roaming-Verbindung wird der Ladevorgang dem entsprechenden E-Mobilitätsdienstleister zugeordnet.
Die Ladestation und das Sintio-Backend erfassen die für den Ladevorgang relevanten Daten, darunter den Energieverbrauch in kWh und weitere Transaktionsdaten. Nach Abschluss des Ladevorgangs werden die erforderlichen Daten zwischen den beteiligten Systemen ausgetauscht.
Der eMSP rechnet den Ladevorgang anschliessend gegenüber seinem Endkunden gemäss dem dort geltenden Tarif ab. Parallel erfolgt die finanzielle Abwicklung zwischen den beteiligten Parteien entsprechend dem jeweiligen Roaming-Modell.
Für Betreiber ist dabei besonders relevant: Externe Nutzer können die Ladeinfrastruktur verwenden, ohne dass jeder einzelne Nutzer direkt beim Betreiber registriert und separat verwaltet werden muss.
Tarife, Gebühren und die genaue finanzielle Abwicklung können je nach Roaming-Partner und Vertragsmodell unterschiedlich ausgestaltet sein.
Fazit: EV Roaming erweitert die Möglichkeiten öffentlicher Ladeinfrastruktur
EV Roaming ermöglicht Unternehmen, ihre öffentliche und halböffentliche Ladeinfrastruktur einem potenziell grösseren Nutzerkreis zugänglich zu machen. Statt jeden externen Nutzer selbst zu registrieren und zu verwalten, können angebundene Mobilitätsanbieter den Zugang zu freigegebenen Ladepunkten ermöglichen.
In Kombination mit dem Sintio-Backend entsteht eine offene und flexible Infrastruktur auf zwei Ebenen: Über OCPP können kompatible Ladestationen verschiedener Hersteller zentral mit dem Sintio-Backend verbunden werden. Sintio unterstützt dabei die zentrale Verwaltung, das Monitoring sowie die Erfassung und Abrechnung von Ladevorgängen.
EV Roaming erweitert diese Infrastruktur um die Verbindung zu externen E-Mobilitätsdienstleistern und deren Nutzern.
Vereinfacht gesagt:
OCPP verbindet unterschiedliche Ladestationen mit einem zentralen Backend. EV Roaming verbindet die Ladeinfrastruktur mit einem grösseren Ladeökosystem. Sintio bringt beide Ebenen zusammen.
Sie betreiben öffentliche oder halböffentliche Ladestationen und möchten diese für weitere Nutzer zugänglich machen? Erfahren Sie, wie sich EV Roaming mit Sintio in Ihre bestehende Ladeinfrastruktur integrieren lässt.



