Dieser Beitrag ist bewusst etwas technischer gehalten und richtet sich an Personen, die regelmässig mit Ladestationen in Mehrfamilienhäusern oder Geschäftsgebäuden arbeiten. Dazu gehören Elektriker, Betreiber, Facility Manager sowie Eigentümer, die bereits mit den technischen Grundlagen vertraut sind.
Im Zentrum steht die Frage, die im Alltag überraschend oft relevant wird:
Was passiert eigentlich, wenn eine Ladestation keine Internetverbindung hat? Und wie stellt man sicher, dass Ladevorgänge trotzdem korrekt und fair abgerechnet werden können.
Viele Ladestationen, die über das OCPP (Open Charge Point Protocol) mit einem Backend wie dem Sintio-Portal www.sintio.com verbunden sind, benötigen eine stabile Internetverbindung, um Berechtigungen zu prüfen und Messwerte zu übertragen. In der Praxis ist diese Verbindung jedoch häufig nicht durchgehend verfügbar. Besonders in Tiefgaragen, Untergeschossen oder Bereichen mit eingeschränktem Empfang treten Verbindungsunterbrüche regelmässig auf. Die Ursache liegt meist nicht bei der Ladestation selbst, sondern in der baulichen Umgebung oder der Installation und Konfiguration.
In solchen Situationen wird das Offline Laden je nach Anbieter sehr unterschiedlich gehandhabt. Einige Betreiberlösungen setzen im Offlinefall darauf, dass die Station jede RFID-Badge akzeptiert, damit niemand blockiert wird. Für Nutzende ist das unkompliziert, für die Eigentümerschaft kann es jedoch zu nicht zuordenbaren Stromkosten führen. Diese Erfahrung haben wir bei Anlagen gemacht, die wir im Laufe der Zeit übernehmen durften.
Dieser Beitrag beschreibt das zugrunde liegende Problem aus technischer Sicht und zeigt, wie Sintio das Offline Laden löst, damit alle Ladevorgänge nachvollziehbar bleiben. Als Beispiel verwenden wir Ladestationen des Herstellers Easee. Easee ist ein qualitativ hochwertiges Produkt und das Beispiel dient rein der Illustration, da ähnliche Situationen bei vielen Stationstypen auftreten können.
Am 18. November 2025 führten wir ein Webinar durch, in dem wir zeigten, wie sich Easee-Ladestationen mit Sintio effizient und abrechnungssicher betreiben lassen. Die Aufzeichnung dieses Webinars ist auf dem YouTube-Kanal von Sintio verfügbar.
Wie Ladestation und Backend zusammenarbeiten
Abrechnungsdienstleister wie Sintio, aber auch viele andere, verbinden sich über die offene, standardisierte OCPP Schnittstelle mit der Ladestation. Vereinfacht läuft der Prozess wie folgt ab:
- Die Ladestation meldet sich beim Backend-Server an (beispielsweise dem Sintio-Portal).
- Der Server entscheidet auf Basis von Regeln und Berechtigungen, wer, wo, wann und wie viel laden darf.
- Die Ladestation liefert Messwerte (kWh, Zeit, Status), damit der Server korrekt abrechnen kann.
Im Folgenden beschreiben wir den Ablauf anhand von RFID-Badges. Neben RFID gibt es weitere Authentifizierungsmöglichkeiten (App, Remote-Start, künftig auch direkt über das Fahrzeug).
Für das Offline-Szenario ist derzeit jedoch ausschliesslich RFID relevant, da andere Verfahren noch nicht vollständig implementiert sind, eine aktive Online-Verbindung benötigen oder auf proprietäre Herstellerkanäle (z. B. Bluetooth) angewiesen sind.
Authentifizierung bedeutet dabei: Die Station weiss eindeutig, welche Person oder welches Fahrzeug gerade lädt.
Fall 1: Alles online – der Idealfall
Die Ladestation erkennt einen RFID-Badge, fragt beim Server nach, ob der entsprechende Nutzer laden darf, erhält die Freigabe und übermittelt anschliessend die Verbrauchsdaten für die Abrechnung.
Solange alles online ist, funktioniert dieser Ablauf zuverlässig, wie in der folgenden Illustration dargestellt. Auf der rechten Seite ist eine Tabelle gezeigt (Server Auth List), welche die RFID-Tags enthält, die an dieser Station laden dürfen.

Das Problem: Kein Internet, keine Freigabe
In Tiefgaragen und Parkhäusern ist eine stabile Internetverbindung oft schwierig aufgrund von:
- baulichen Gegebenheiten (Betondecken, mehrere Untergeschosse),
- unzureichender Netzwerk- oder Mobilfunkinstallation,
- temporären Störungen oder Providerproblemen.
Hinzu kommt: Die Probleme sind häufig volatil. Mal funktioniert alles bestens, dann fällt die Verbindung stunden- oder tageweise aus. Das ist frustrierend:
- für Installateure und Hersteller/Importeure,
- für Abrechnungsdienstleister,
- und vor allem für Nutzerinnen und Nutzer sowie die Eigentümerschaft.
Kann die Ladestation den Server nicht erreichen, kann sie nicht prüfen, ob ein Badge laden darf. Im abrechnungssicheren Modus bedeutet das: Laden nicht möglich.

Wie Sintio Offline Charging funktioniert
Um sowohl lokale Verfügbarkeit als auch Abrechnungssicherheit zu gewährleisten, synchronisiert Sintio berechtigte RFID-Badges automatisch auf die lokale Station. Dadurch entsteht die Local Auth List, also ein Register mit denselben RFID-Badges, wie sie auf dem Backend-Server gespeichert sind.
Die Station verwendet folgende Reihenfolge:
- Die Station versucht immer zuerst den Server zu erreichen (Server Auth List).
- Wenn sie offline ist, prüft sie den lokalen Speicher (Local Auth List).
- Ist der Badge vorhanden, wird der Ladevorgang freigegeben.
- Alle Messwerte werden lokal zwischengespeichert und später, respektive sobald die Station wieder online ist, an das Backend übermittelt.

Damit bleibt die Abrechnung vollständig intakt, selbst wenn eine Station über Wochen offline war.
Betreiber profitieren davon, weil keine manuelle Badge-Pflege nötig ist. Nutzer profitieren, weil sie auch bei schlechtem WLAN zuverlässig laden können. Eigentümer profitieren, weil alle Ladevorgänge abrechenbar bleiben.
Wie Offline Laden im Markt teilweise umgesetzt wird
Es gibt Lösungen, die im Offline Zustand jeden beliebigen RFID-Badge akzeptieren. Verantwortlich dafür ist der OCPP-Konfigurationsschlüssel:
AllowOfflineTxForUnknownId
Ist dieser auf true gesetzt, akzeptiert die Ladestation jedes beliebige Badge, sobald sie offline ist – selbst dann, wenn dieser Badge im System gar nicht existiert.

Easee setzt diesen Parameter standardmässig auf true. Aus Sicht der Nutzerfreundlichkeit ist das vollkommen nachvollziehbar und so wird es in der offiziellen technischen Dokumentation entsprechend beschrieben.
Abrechnungstechnisch ist das jedoch riskant. Sobald die Station wieder online ist und den Ladevorgang nachmeldet, kann Folgendes passieren:
- Der Badge ist völlig unbekannt
Dann fehlt jede Grundlage, um den Verbrauch korrekt zuzuordnen oder zu verrechnen. - Der Nutzer ist zwar bekannt, aber nicht berechtigt
Beispielsweise, weil er keinen gültigen Vertrag hat, nicht zu dieser Liegenschaft gehört oder weil der Betreiber keine rechtliche Handhabe hat, einen Ladevorgang nachträglich in Rechnung zu stellen.
In beiden Fällen ist es zu spät: Die Energie wurde bereits abgegeben und die Kosten bleiben bei der Eigentümerschaft hängen.
Viele Eigentümer erkennen das Problem erst, wenn sie Stromrechnungen mit den Einnahmen von den Ladestationen vergleichen und feststellen, dass eine deutliche Lücke entsteht.
Sintio arbeitet deshalb bewusst anders und setzt auf:
- Authentifizierte Offline-Freigaben,
- lokal gespeicherte Berechtigungslisten statt „jeder darf laden",
- vollständige, nachträgliche Abrechnung aller Ladevorgänge, selbst nach längeren Offline-Phasen.
Hinweis: Easee-Flowchart zeigt den Mechanismus besonders klar
Easee stellt ein sehr gut verständliches Autorisierungs-Flowchart bereit: developer.easee.com/docs/settings#authorisation-flow-diagram
Daran sieht man deutlich: Wenn AllowOfflineTxForUnknownId = true aktiviert ist, verhält sich die Station im Offline-Fall faktisch so, als wäre authorizationRequired = false.
Jeder Badge, egal ob bekannt oder unbekannt, führt zum Start eines Ladevorgangs. Gerade im Abrechnungskontext ist das ein entscheidender Unterschied.
Fazit
Mit Sintio erhalten Betreiber und Eigentümer ein Offline Laden, das sowohl zuverlässig als auch vollständig abrechnungssicher funktioniert. Die Lösung ist mit allen OCPP kompatiblen Ladestationen einsetzbar und hat sich in zahlreichen Anlagen über mehrere Jahre bewährt.
Falls Sie Ladestationen betreiben oder besitzen, lohnt es sich, beim Anbieter nachzufragen, wie der Offlinefall konkret umgesetzt ist. Entscheidend ist die Frage, ob Ladevorgänge auch dann korrekt zugeordnet und verrechnet werden können, wenn eine Station über längere Zeit keine Internetverbindung hat. Die Erfahrungen aus vielen Anlagen zeigen, dass genau dieser Punkt häufig über die tatsächlichen Kostenunterschiede entscheidet.
Wenn eine technisch saubere und langfristig stabile Lösung gesucht wird, kann Sintio auf zwei Arten eingesetzt werden. Wer die Abläufe selbst steuern möchte, nutzt das Portal eigenständig, beispielsweise mit sintio.light ohne fixe monatliche Kosten. Wer den operativen Aufwand auslagern möchte, entscheidet sich für ein Service Abo, bei dem Monitoring, Abrechnung und Offline Handling durch Sintio übernommen werden.
Die wichtigsten Vorteile von Sintio:
- Monatliche Abrechnung
Ideal auch bei neuen Kostenbestandteilen wie dem ab 2026 verpflichtenden Messtarif für alle Energieversorger. Mehr dazu auf der Webseite vom Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen. - Authentifiziertes Offline Charging
Nutzer können unabhängig von der Internetverfügbarkeit zuverlässig laden, ohne Risiko für die Eigentümerschaft. - Praxisbewährt und automatisiert
Wir betreiben dieses System seit mehreren Jahren in vielen Anlagen und gleichen zusätzlich per KI die Energieversorgerrechnungen mit den Einnahmen ab.
Unabhängig davon, ob Sie eine einfache DIY-Lösung oder ein betreutes Service Modell bevorzugen, verfolgt Sintio stets dasselbe Ziel. Jede Person soll genau das bezahlen, was sie effektiv nutzt. Auch dann, wenn eine Ladestation einmal über längere Zeit offline ist.



